Rebsortenspiegel

Die Genossenschaft baut zu rund 3/4 Weißweine aus. Hier dominiert der Riesling (34%), vor Müller-Thurgau (11%) und Grauer Burgunder (9%). Es folgen die Sorten Silvaner (8%) und Kerner (6%) sowie mit 3% der Weißburgunder. Bei den roten Trauben liegt der Spätburgunder mit 7% an erster Stelle, gefolgt von Dornfelder (6%) sowie Portugieser (3%) und Regent (2%). In der Folge stellen wir Ihnen einige der Rebsorten vor.

 

Weißer Riesling

Die bekannteste deutsche Rebe und auch die wichtigste Rebsorte in Umstadt ist der Weiße Riesling. Die Rebe, deren Herkunft und Name bislang nicht eindeutig geklärt werden konnte, ist für alle Qualitätsstufen, vom Tafelwein bis zum Eiswein, geeignet. Von allen bekannten Reben stellt diese spät reifende Sorte die höchsten Ansprüche an die Lage, ist dem gegenüber aber für alle Böden und Erziehungsarten geeignet.

 

Müller-Thurgau

Eine unverzichtbare Rebe im Sortenspiegel von vinum autmundis ist der Müller-Thurgau, der nach seinem Züchter, Prof. Müller aus Thurgau, benannt wurde. Gentests haben gezeigt, dass es sich um eine Kreuzung aus Riesling und Madeleine Royal handelt und nicht, wie von Müller gedacht, um eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner. Der Name Rivaner, unter dem der Müller-Thurgau manchmal vermarktet wird, ist historisch begründet. Der Müller-Thurgau ist eine früh reifende Sorte mit stabilem Ertrag, die keine besonderen Ansprüche an die Lage stellt, jedoch tiefgründige Böden liebt.

Weißer Riesling und Müller-Thurgau

links: Weißer Riesling | rechts: Müller-Thurgau

Grüner Silvaner

Einst galt der Grüne Silvaner als Deutschlands wichtigste Rebsorte, nachdem er, vermutlich aus Transsylvanien (Rumänien) stammend, über Österreich und Franken hier eingeführt wurde. Ehemals gebräuchliche Bezeichnungen waren daher auch Sylvaner, Österreicher oder Fränkischer. Der Grüne Silvaner ist eine mittelfrüh reifende Rebsorte, die ihre Frostanfälligkeit durch Ertragstreue ausgleicht. Für ausgesprochen trockene Hanglagen und flachgründige Böden ist er ungeeignet.

 

Kerner

Der Arzt und Dichter Justinus Kerner (1786-1862) von dem das Lied "Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein" stammt, ist der Namenspate dieser erfolgreichen, weil frostharten, Neuzüchtung aus Trollinger und Riesling. Die Sorte ist starkwüchsig und erfordert viel Laubarbeit, was sie zur typischen Rebe der Umstädter "Feierabend-Winzer" macht. Die mittelfrüh reifende Sorte, die keine besonderen Ansprüche an den Boden hat, liebt höhere Lagen, bei denen die Laubwand rasch abtrocknet.

Grüner Silvaner und Kerner

links: Grüner Silvaner | rechts: Kerner

Roter Riesling

Aus der Mode gekommen, wurde der Rote Riesling lange nicht mehr angebaut. Erst Mitte der 90er Jahre rekultivierte die Fachhochschule Geisenheim die Rebe, die 2003 vom Land Hessen die Klassifizierung "Roter Riesling" erhielt. Erbgutveränderungen an den Knospen vom Roten zum Weißen Riesling belegen ihre Verwandtschaft. Die Rebstöcke sind kaum zu unterscheiden, erst bei der Reife verfärben sich die Beeren ins Rötliche. Da die Schale kaum Farbstoff abgibt, erhält man einen Weißwein, der etwas extraktreicher ist als der Wein des Weißen Rieslings.

 

Weißer Burgunder

Die beiden bekanntesten weißen Burgundersorten sind Chardonnay und Weißer Burgunder. Der Chardonnay ist weltweit die wichtigste Sorte der weißen Burgunderfamilie und stellt hohe Ansprüche an Lage und Boden. Geringe Erträge und hohe Mostgewichte garantieren dafür aber hervorragende Weine. Etwas genügsamer ist der Weiße Burgunder, einer der ältesten Vertreter dieser Familie. Durch Reduzierung der Erntemenge erhält man ausgezeichnete Weine.

Roter Riesling und Weißer Burgunder

links: Roter Riesling | rechts: Weißer Burgunder

Johanniter

Die Rebsorte wurde nach Ihrem Züchter, Dr. Johannes Zimmermann von der Freiburger Rebzüchtung, benannt und ist seit 2000 an der Hessischen Bergstraße zum Anbau zugelassen. Johanniter zeichnet sich durch eine hohe Pilzwiderstandsfähigkeit gegenüber Oidium und Peronospora aus, so dass in den meisten Jahren ein Anbau ohne Fungiziteinsatz möglich ist. Deshalb ist diese Rebsorte bei Biowinzern sehr beliebt und auch vinum autmundis erfüllt mit seinem Johanniter-Wein die EU-Biowein-Richtlinien.

 

Scheurebe

Die Scheurebe, die von Georg Scheu an der Landesanstalt für Rebzüchtung in Alzey 1916 gezüchtet wurde, ist eine Kreuzung aus Silvaner und Riesling. Etwas in Vergessenheit geraten, ist die Rebe 2016 anlässlich 100 Jahre Scheurebe | 200 Jahre Rheinhessen einem breiteren Publikum bekannt geworden. Reife Weine aus dieser Rebe besitzen ein volles Bukett mit einem typischen Ton, der an schwarze Johannisbeeren erinnert. Scheurebe-Weine passen hervorragend zu Fisch, Geflügel und Lamm. Die edelsüßen Varianten sind zu Pasteten, Kuchen und süßen Nachspeisen ein besonderer Genuss.

 

Gewürztraminer

Vermutlich ist Gewürztraminer eine andere Bezeichnung für den Roten Traminer, der seinen Namen von der Region Tramin in Südtirol erhalten hat. In Baden wird die Rebe auch Clevner oder Klevner genannt, im Elsass Gewurztraminer oder Gewurtz. Traminer-Weine zeichnen sich durch rosenblütenduftige, exotische und getrockneten Fruchtaromen aus. Ein besonderes Geschmackserlebnis sind die edelsüßen Traminer-Erzeugnisse.

Blauer Spätburgunder

König der Rotweine nennt man die bedeutendste Rebsorte für die Rotweinbereitung des gemäßigten Klimabereichs. Diese sehr alte Rebsorte, die man auch unter dem französischen Namen Pinot noir bei uns kennt, stammt aus dem Burgund und ist die Stammform aller anderen Burgundersorten. Der Blaue Spätburgunder stellt hohe Ansprüche an die Lage und liebt schnell erwärmende, lockere und tiefgründige Böden mit guter Wasserführung.

 

Dornfelder

Das Erbgut von vier Sorten vereinigt sich im Dornfelder, der 1980 als Kreuzung von Helfensteiner (Kreuzung aus Frühburgunder und Trollinger) sowie der Heroldrebe (Kreuzung aus Portugieser und Lemberger) in die Sortenliste aufgenommen wurde. Es ist eine starkwüchsige, großformatige Rebsorte mit einem hohen Fruchtansatz, so dass eine Ertragsreduzierung erforderlich ist. Die Ansprüche an die Lage und den Boden sind gering, lediglich Trockenheit verträgt der Dornfelder nicht.

Blauer Spätburgunder und Dornfelder

links: Blauer Spätburgunder | rechts: Dornfelder

Blauer Portugieser

Freiherr der Fries brachte die Rebsorte 1772 von Portugal nach Österreich, von wo aus sie sich nach Ungarn, Böhmen, Kroatien und Slowenien ausbreitete. Nach 1840 erreichte die Sorte Deutschland, verdrängte dort zahlreiche alte Sorten und wurde nach dem Spätburgunder die wichtigste Rotweinsorte. Der früh reifende, ertragssichere Portugieser ist nur für Lagen geeignet, die nicht frostgefährdet sind, stellt demgegenüber aber nur geringe Ansprüche an die Bodenqualität.

 

Cabernet Sauvignon

Sehr hohe Ansprüche an das Klima charakterisieren diese Rebe, die nur in den besten Lagen Rotweine liefert, die internationalen Ansprüchen genügen. In Bezug auf die Bodenbeschaffenheit ist die Rebsorte jedoch anspruchslos und liefert einen guten Grundwein für Cuvées. Die Namensgebung, die man von dem französischen »sauvage« (wild) ableitet, legt nahe, dass diese Sorte direkt aus einer Wildrebe entstanden ist. Gentests haben jedoch bewiesen, dass es sich um eine Kreu-zung aus Cabernet Franc und Sauvignon Blanc handelt.

Blauer Portugieser und Cabernet Sauvignon

links: Blauer Portugieser | rechts: Cabernet Sauvignon

Acolon

Acolon ist eine Neuzüchtung aus dem Jahr 1971 und ist aus einer Kreuzung von Blauem Limberger und Dornfelder hervorgegangen. Erst 2002 hat diese Rebe die Zulassung für den Anbau erhalten. Von Züchtern wird der Acolon - übrigens ein Phantasiename - höher eingestuft als der Dornfelder und man sagt ihm eine weite Verbreitung voraus. Acolon liefert stark gefärbte Rotweine mit hohem Extrakt und eignet sich bestens als Cuvée-Partner.

 

Saint Laurent

Saint Laurent ist eine hervorragende Rotweinsorte und eigentlich viel zu wenig verbreitet. Die Hauptanbaugebiete liegen in Tschechien und Österreich. St. Laurent liefert klassische Rotweine mit angenehmer Fruchtsäure und rustikalen Geschmacksfacetten, überlagert von feinen Tanninaromen. Ausgesprochen köstlich sind die Spät- und Auslesen mit feinem Burgunderaroma.

 

Regent

Regent ist eine pilzresistente Neuzüchtung des Instituts für Rebenzüchtung, Geilweilerhof, aus dem Jahr 1967 und ist in allen deutschen Weinanbaugebieten für den Anbau zugelassen. Es handelt sich dabei um eine Kreuzung aus Silvaner und Müller-Thurgau auf der einen und Chambourcin auf der anderen Seite. Regent ist besonders resistent gegen Plasmopora und benötigt keine entsprechenden Pflanzenschutzmaßnahmen. Auch die Resistenz gegen Oidium ist gut, so dass meist auf eine chemische Behandlung verzichtet werden kann. Eine Besonderheit des Regent ist der relativ hohe Zucker- und Farbstoffanteil der Beeren. Bei guter Qualität des Lesegutes erhält man deshalb besonders kräftige und ausdrucksvolle Weine mit langer Lagerfähigkeit.